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Vor 150 Jahren gegründet
Die Uhrenmacherschule zu Furtwangen
von Helmut Kahlert

(Seite 1/2)

Vor anderthalb Jahrhunderten, genau am 5. März 1850, wurde an der
Großherzoglich Badischen Uhrmacherschule zu Furtwangen mit der Ausbildung begonnen. Regierungsvertreter hatten zu einem Gespräch unter Fachleuten eingeladen, denn für eine öffentliche Festversammlung hätte man die Genehmigung des preußischen
Generalkommandos einholen müssen. Baden stand noch unter Besatzungsrecht, immerhin waren seit der Kapitulation der Revolutionstruppen in Rastatt erst knapp acht Monate vergangen.
Die entscheidende Anregung zur Gründung einer Uhrmacherschule war vom "Gewerbsverein für den uhrenmachenden Schwarzwald" ausgegangen, der 1847 über 700 Mitglieder aus 35 Gemeinden umfaßt hat. Auch die Ziele einer solchen Schule haben die Vereinsvertreter genau bestimmt. Bei den herkömmlichen gewichtsgetriebenen Schwarzwälder Wanduhren erwartete man Hilfe zur Steigerung der
Arbeitsproduktivität und Vorschläge für neues, verkaufsförderndes Uhrendesign, denn viele Kunden hatten sich an den bunten Lackschildern sattgesehen. Der Bau federgetriebener Uhren ("Stockuhren"), bisher das Arbeitsgebiet weniger Meister, sollte
im Schwarzwald weiter verbreitet werden. Doch die meisten Hoffnungen galten der Produktion von Taschenuhren, die neu eingeführt werden sollten. Man rechnete sich Chancen aus, auch gegenüber der Fertigung im Schweizer Jura, denn die Schwarzwälder Löhne lagen beträchtlich niedriger.

Im September 1847 hatten die Vertreter des Uhrengewerbsvereins in Karlsruhe ihre Petition überreicht, im März 1850 erfolgte bereits die Eröffnung der Schule, also nur zweieinhalb Jahre lagen zwischen den ersten Vorschlägen und der Verwirklichung des Projekts, und das trotz der Märzunruhen von 1848 und der Revolution von 1849. Badens Anspruch, Musterländle zu sein, wurde durch Vorgänge dieser Art begründet. Um den Standort der neuen Schule hatten sich vier Gemeinden - Furtwangen, Neustadt, Triberg und Vöhrenbach - beworben, die auch bereit waren, entsprechende Räume zur Verfügung zu stellen und die Heizungskosten zu übernehmen. Doch ehe es zum Streit unter Nachbarn kommen konnte, bat der zuständige Beamte auf der Vöhrenbacher Uhrmacherversammlung von 1849, folgende Frage zu beantworten: "Wieviele Uhrengewerbsleute wohnen in jedem der vier Orte und bis auf zwei Wegstunden weit um jeden herum?" Die Auswertung ergab, Furtwangen lag mit 2018 Personen weit vorne, gefolgt von Triberg mit 1377. Damit war über den Ort der neuen Schule sachgerecht entschieden worden.

Zum Leiter der Uhrmacherschule wurde, zur großen Überraschung der Schwarzwälder, ein junger Beamter der staatlichen Bauverwaltung bestimmt, der aus Karlsruhe stammende Robert Gerwig. Zwei Gründe haben bei dieser Auswahl eine Rolle gespielt, ein sachlicher, denn Gerwig war hervorragender Absolvent des Karlsruher Polytechnikums und somit auf dem Stand der Technik seiner Zeit, und ein politischer Grund, denn die Regierung legte entscheidenden Wert darauf, diese für den Schwarzwald so wichtige Position mit einem dem Großherzog gegenüber loyalen Beamten zu besetzen.

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